am nächsten tag war er verschwunden

am nächsten tag war er verschwunden, schon eine woche vorher begann er an den gliedmassen durchsichtig zu werden, er sah durch sich hindurch wie sonst in den sommern am meer mit ihr und alles war im aussen und das innen ein leichtes gewicht.

er hatte sich vorgestellt, auf diese weise zu verschwinden, ganz durchsichtig zu werden, der wind durch ihn hindurch und der regen und nicht mehr als sie; vielleicht noch ein baum, sagte er sich manchmal, vielleicht werde ich ein baum, wenn man mich abholzt, ein tisch in einem garten und um mich herum die sommergäste, das lachen, die neckischen sprüche, manchmal werden sie ernst und reden über das leben und den tod.

er würde nur das sein, ein dienst, ein nützlicheres dasein konnte er sich nicht vorstellen. was am meisten schmerzte, war die vorstellung andern weh getan zu haben, dem leid noch ein leid hinzugefügt, das war summa summarum die grässlichste verfehlung. so ist die welt und das leben, das hielt er für den dümmsten aller sprüche.

morgens, wenn er im sommer die zeitung aufschlug, freute er sich, dass alles so harmlos war (das meiste), die bilder von musik und vielen menschen, die sich freuten (hoffentlich) und lachten. das versöhnte ihn mit allem. man konnte einwenden, alles nur brot und spiele und billige massenvergnügungen (social engeneering), aber er schaute die bilder der zeitung auch noch anders, das beste von uns, dachte er, kommt heraus bei so festlichen gelegenheiten, die freude in den gesichtern, das untertauchen in dem vielen, der tanz, das lachen, die musik, die unbeschwertheit, und ja doch, auch das vergessen wollen. denn manchmal war es zuviel, manchmal war das bewusstsein der umstände einfach zu viel und jeder blick in die geschichte ein graus.

andererseits, sagte er sich, alles sehen zu wollen und es auszuhalten, ging das, würde das einen nicht umbringen auf der stelle, wenn man alles, sehen und fühlen und hören würde.

am liebsten hörte er barock musik, er fand, von denen und ihrer haltung und gestimmtheit, die in der musik aufbewahrt war, konnte man lernen? nein, er fand sich denen verwandt , er spürte über die zeit hinweg eine zugehörigkeit, auch in der melancholie, der besonders geformten und auch im freudigen, es war eingedenk.

manchmal war er gewiss, wir werden um unsere freude betrogen, da uns das leiden ausgeredet wird, verschwinden auch die wirklichen freuden, sie werden flach.

er studierte die gewalt an sich selber, er quälte sich, setzte sich herab, demütigte sich, fand sich klein, bewusstlos, unfähig. er zwang sich dazu, alle seine stärken nicht bloss aufzuzählen, nein, zu empfinden. er erniedrigte sich und erhöhte sich, deshalb wurde er immer stiller.

er träumte tatsächlich, er werde durchsichtig wie glas, readable, ein aufgeschlagenes buch. zuerst bereitete ihm das angst, doch schnell, im traum, wurde deutlich, alle lasen nur, was auch in ihnen war ; er hatte irgendwo den satz gehört, was in einem ist, ist in allen.

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